Der Herbst im Pötzleinsdorfer Schlosspark – wenn die alten Bäume ihre schönste Jahreszeit beginnen und der Abendspaziergang zum Ereignis wird.
Es gibt Menschen, die den Herbst für die schlechteste Jahreszeit halten. Sie kennen den Pötzleinsdorfer Schlosspark im Oktober nicht. Wenn die Platanen und Eichen ihre Farbe wechseln, wenn das Licht flacher wird und alles in einem warmen, bernsteinfarbenen Ton liegt, dann ist dieser Park einer der schönsten Orte Wiens.
„Der Herbst verlangsamt. Nicht weil er müde macht. Er zeigt alles, was da ist – das Leuchtende und das Vergängliche – und lässt beides nebeneinander bestehen.“
Die Farben der alten Bäume
Der Schlosspark ist im Herbst ein Farblabor. Die Platanen werden gelb, die Eichen tiefbraun und rostrot, die Silberweiden zitronenfarben. Die Mammutbäume – das ganze Jahr über eine stille Präsenz — gewinnen im Herbstlicht eine Würde, die man kaum in Worte fassen kann. Unter den Bäumen liegt der Boden bedeckt mit Laub, das raschelt, und dieser Klang ist ein eigener, der mit keinem anderen der Jahreszeiten verwechselt werden kann.
Fotografen wissen, dass die erste und letzte Stunde des Tages hier Gold wert ist — im Herbst im wörtlichen Sinne. Das Licht kommt schräg durch die Baumkronen, fängt sich im Laub, wirft lange Schatten auf die Wege. Man braucht kein Talent für Fotografie. Man muss nur zur richtigen Zeit hier sein.
Morgenspaziergang im Nebel
An manchen Herbstmorgen liegt Nebel über dem Park. Nicht dicht, nicht undurchdringlich – aber genug, um die Baumkronen in etwas Unwirkliches zu tauchen und die Wege zu verlängern. Die Stille an solchen Morgen ist anders als sonst. Schwerer, voller, mit einem Geruch nach feuchter Erde und nassem Laub, der direkt in die Kindheitserinnerungen führt, ohne zu fragen.
Es ist genau diese Qualität des Herbstes, die man in der Stadt selten findet und hier, zwei Minuten vom Das Winzer, täglich haben kann.
Der Wienerwald im Oktober
Wer im Herbst weiter geht, durch den Park, die Hänge hinauf in den Wienerwald, erlebt ein Farbenspektakel, das in seiner Ausdehnung kaum zu fassen ist. Der Wald leuchtet. Buchen, Birken, Lärchen – jede Baumart in ihrer eigenen Farbe, das Ganze ein Mosaik, das sich mit jedem Schritt verändert. Die Pilzsucher sind hier unterwegs, die Wanderer, die Hundebesitzer – und trotzdem findet jeder seinen stillen Pfad.
Zurück ins Warme
Nach dem Spaziergang wartet das Grätzel mit seinen feinen kulinarischen Angeboten. Der Herbst in Pötzleinsdorf ist kein Abschiednehmen. Er ist ein Ankommen in einer ruhiger werdenden Zeit des Jahres.