Der Sommer im Pötzleinsdorfer Schlosspark und Wienerwald — über Schatten, Stille und die Kunst, die Hitze der Stadt hinter sich zu lassen.
Wien im Sommer kann gnädig sein. Und Wien im Sommer kann unbarmherzig sein — Asphalt, der die Wärme speichert, Straßen, die flirren, Innenhöfe, die keine Luft mehr durchlassen. Wer in Pötzleinsdorf wohnt, kennt diese Version der Stadt kaum. Zwei Minuten vom Das Winzer beginnt ein anderes Klima.
„Der Park im Sommer ist kein Ausflugsziel. Er ist der Grund, warum man morgens aufsteht — und der Ort, an den man abends zurückkehrt.“
Schatten als Luxus
Die alten Bäume des Schlossparks sind im Sommer ihr eigenes Argument. Mammutbäume, Platanen, Eichen und Silberweiden — Jahrhunderte alt, mit Kronen, die das Licht filtern und den Boden darunter in ein gedämpftes, kühles Grün tauchen. Es ist der Schatten, den keine Markise ersetzen kann. Tief, natürlich, mit dem leisen Rauschen von Blättern, die sich in einem Wind bewegen, den man auf der Straße noch nicht gespürt hat.
Auf den Wiesen bricht das Licht durch die Baumkronen in langen, schrägen Bahnen. Wer ein Buch mitbringt, verliert die Zeit. Wer nichts mitbringt, auch.
Die frühen Stunden gehören dem Park
Im Sommer lohnt es sich besonders, früh aufzustehen. Vor acht Uhr gehört der Park noch fast niemandem. Die Luft ist frisch, das Licht schräg und golden, der Tau noch auf dem Gras. Die Vögel sind in vollem Betrieb — die Hohltaube, der Buntspecht, das Konzert, das mit dem ersten Hellwerden beginnt und mit dem Frühstück aufhört.
Wer diese Stunde kennt, plant seinen Tag anders. Nicht weil man muss, sondern weil man danach anders denkt — klarer, ruhiger, mit einem Fundament, das der Rest des Tages nicht mehr so leicht erschüttert.
Weiter hinein — der Wienerwald im Sommer
Vom Schlosspark aus führen Wege direkt in den Wienerwald, ohne Asphalt, ohne Lärm, bergauf durch dichtes Grün. Im Sommer ist der Wald hier ein eigenes Klimasystem: mehrere Grad kühler als die Stadt, mit einer Stille, die sich erst erschließt, wenn man tief genug hineingegangen ist. Die Wege sind naturbelassen, das Gelände fordert, und der Ausblick, den man irgendwann über Wien gewinnt, ist die Mühe wert.
Für Läufer ist dies die Strecke der Wahl — Waldboden statt Asphalt, Steigung statt Flachland, und nach einer Stunde zurück im Grätzel, wo der Bäcker schon offen hat.
Der Abend im Gastgarten
Der Sommer in Pötzleinsdorf endet nicht mit Sonnenuntergang. Er endet im Gastgarten der unzähligen Heurigen und Restaurants in der Umgebung, wenn das Licht orange wird und die Hitze des Tages sich langsam auflöst. Oder auf der Terrasse des Das Winzer, mit einem Glas aus dem Weinkeller, während die letzten Sonnenstrahlen über die Baumwipfel gleiten. Wien hat viele Sommerabende. Dieser hier, in diesem Grätzel, ist ein besonderer.